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Önologische Handarbeiter – deutsche Biowinzer in Südungarn
„Unsere Weine sind wie unsere Kinder“, so die
Beschreibung von Ralf Wassmann, auf die Frage, was seine Weine auszeichnet. „Wir lassen ihnen Zeit, zu wachsen, zu reifen und korrigieren nur behutsam. So kann sich der ganz eigene
Wein jeder Rebsorte in jeder Lage unverwechselbar entwickeln.“ Das Ehepaar Wassmann/Hanauer betreibt deshalb auch kein klassisches Weingut. „Wir sind genau genommen, eine
Weinmanufaktur, denn unser biologischer Anbau verlangt viel Handarbeit“ so Ralf Wassmann. Er studierte in Geisenheim am Rhein Weinbau und Getränketechnologie, seine Frau,
Susann Hanauer ist Juristin und hat in Deutschland französische Spitzenweine vermarktetet.
Beide träumten immer vom eigenen Weingut aber nur zu besten klimatischen Bedingungen und besten Böden. Die haben sie hier unten in Südungarn gefunden. „Wir hatten
gelesen, dass es hier wunderbare Rotweine gibt und uns war schnell klar, hier steigen wir nicht „aus“, ganz im Gegenteil, hier steigen wir „ein“, sagt Susann
Hanauer, die sich um den ganzen juristischen Papierkram kümmert, den Ungarn seinen Winzern aufbürdet. Sie ist auch Ansprechpartnerin für Verkauf und Vermarktung der Weine.
Mittlerweile werden die beiden auch nicht mehr als „Spinner“ angesehen – ganz im Gegenteil, sie sind geschätzte Ansprechpartner auch für die ungarischen Kollegen
und pflegen einen freundschaftlichen Austausch – nicht zuletzt auch durch Susanns sehr gute Ungarischkenntnisse, die sie sich mit viel Energie angeeignet hat. Nicht nur für die
Sprache braucht es Energie, denn die Arbeit selbst verlangt viel Einsatz von den beiden, auch das ist Teil ihrer Philosophie – möglichst viel selber zu machen, um alle
Qualitätsschritte zu kontrollieren und zu dokumentieren – Wachstum ja, aber ganz, ganz behutsam. Und nie zu Lasten der Qualität oder der Natur.
Unsere Weinempfehlung – Merlot 2006 aus Villány
Dem liegt eine ausgiebige Verkostung des 2004er Merlot aus Villány zugrunde. Er hat zu später Stunde mit einem Budapester Weinfreund und Weinkenner seine kulinarische
Bewährungsprobe unter Echtzeit-Bedingungen bestanden. Wir schenken uns die üblichen Beschreibungsklischees von Johannisbeere und schwarzer Schokolade und schwadronieren auch nicht
von feinen Röstaromen. Unglaublich gut gefallen hat uns die Power des Weins in Verbindung mit seiner Finesse. Mit jedem Schluck wurde er besser und besser. Nur begleitet von ein
bisschen neutralem Gebäck. Dabei keine Nachwehen am nächsten Tag. Die schlechte Nachricht – er ist ausgetrunken! Wir haben den Nachfolger gekostet. Man merkt, er ist zwei
Jahre jünger, doch im Format steht er dem älteren Bruder in nichts nach. Eine sehr gute Wahl zu einem Bistecca Fiorentina oder zu Rind allgemein. Er setzt sich durch, ohne alles
zu übertönen. Mit dem Kauf noch zu warten bringt nichts– diesen Wein muss man, wenn man ihn noch länger gelagert trinken will, selber zuhause hinlegen. Wassmann-Weine
sind keine Massenweine und daher schnell weg.
Pester Lloyd, Ausgabe 5 2009 - www.pesterlloyd.net
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